Atelier

 

HIRT-HAUS  ATELIER     I      DR. SCHALLING GASSE 1      I      A  8811 SCHEIFLING

Öffnungszeiten während der Ausstellungen      I     dienstag bis samstag 15  –  19 uhr

 

1984   –    aus dem Wunsch nach Begegnung und Austausch mit Menschen und Kunst schaffen das Bildhauerehepaar Angelika Hirt-Thomsen und Rudi Hirt –  zunächst im eigenen Haus  –  zu den bestehenden Werkstätten  –  später dann im angrenzenden Stallgebäude und durch einen verbindenden Zubau

                        R  A  U  M     FÜR  KULTURELLE   AKTIVITÄTEN

ARBEIT       AUSSTELLUNGEN       MUSIK      LESUNGEN       KABARETT     KURSE      DISKURSE     VORTRÄGE     FESTE  

 

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Text aus Buch „Hirt“ (1996):

Wenn einer in der Provinz lebt und arbeitet, wird er gerne von stolzen Hauptstädtern als „provinziell“ eingeordnet und ad acta gelegt. Ich habe diese Einstellung nie mitgemacht. Ich habe nämlich immer wieder erlebt, dass man in den Regionen außerhalb großer Städte unerhört talentierte Menschen findet, wenn man nur bereit ist, auf sie zuzugehen. Ihr Lebensweg hat sie anders geführt als manchen geborenen Städter. Es besteht aber aller Grund, sie hoch zu schätzen.

Rudolf Hirt hat seine Scheiflinger Heimat als junger Mensch verlassen, um zuerst das Handwerk des Bildhauers gründlich zu erlernen. Er vervollkommnete sich bei dem unvergessenen Alexander Silveri am Grazer Ortweinplatz, und an derselben Schule öffnete ihm Rudolf Szyszkowitz die Augen für das, was Kunst sein kann. Später ging er nach Wien an die Akademie. Bei Wander Bertoni hielt es ihn nur ein Jahr, dann machte er sich selbstständig. Nach jahrelangen abenteuerlichen Reisen gelangte er nach Frankfurt am Main. Künstlerisch war er da als Allrounder unterwegs. Sogar Bühnenbilder für Hair und Anatevka malte er.

Er erwarb sich dort und in dieser Zeit eine gehörige Portion Weltoffenheit. Nicht nur, dass er nach seiner Rückkehr in die Heimat seine Frau Angelika, auch Bildhauerin aus dem ganz hohen deutschen Norden, kennenlernte, die beiden begannen auch ihr Haus groß und offen zu machen  –  nicht bloß für ihre eigene Kunst, sondern auch für viele Gäste. Ein richtiges Kulturzentrum ist dort enstanden, und imponierend ist die Liste der Künstler, ob Maler oder Bildhauer, Literaten, Schauspieler oder Musiker, die – aus der Region ebenso wie aus der Ferne – im HIRT-HAUS Atelier im Laufe der Jahre sich einem dankbaren Publikum präsentierten. Solche Kulturarbeit in einer Region hat mehr Sinn und Wert als mancher großspuriger Event.

Dass ein Künstler seine Zeit auf diese Weise hergibt, ist bemerkenswert genug. Dass er es dazu trotzdem schafft, seiner Kunst zu leben, zeugt von starkem inneren Antrieb. Rudolf Hirt ist den Materialien seiner Heimat zugetan. Stein und Holz leben unter seinen Händen auf. Für ihn ist immer Holzzeit, immer Steinzeit. Er arbeitet figurativ, mit großer Ausdruckskraft. Seine Motive holt er aus Religion und Mythen oder ganz einfach aus einer lebhaften Vorstellungswelt, die ihn zu phantastischen Einfällen führt. Es ist eine stark sinnliche Kunst, in der es letzten Endes um Leben und Liebe und Tod geht. Es ist möglich, dass etablierte Kritik ihn derzeit nicht hochlobt. Das ist für Rudolf Hirt ohne Belang. Er geht seinen Weg. Er biedert sich nicht an, aber er findet viel Anerkennung beim Publikum, dem seine Themen und seine Ästethik zusagen. Seine Glaubwürdigkeit ist unbestreitbar.Wir erwarten noch viel von seinem Wirken und Werken.

( Text: Kunsthistoriker Dr. Kurt Jungwirth )
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